Titel: Das Dampfkessel-Thermometer als Sicherheitsapparat, von H. Scheffler.
Fundstelle: Band 185, Jahrgang 1867, Nr. XXIV., S. 89
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XXIV. Das Dampfkessel-Thermometer als Sicherheitsapparat, von H. Scheffler. Mit Abbildungen auf Tab. II. Scheffler's Dampfkessel-Thermometer als Sicherheitsapparat. In einer umfassenden Schrift31) stellt der Verfasser (im ersten Theile) die in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen über die Ursachen der Dampfkessel-Explosionen der Hauptfache nach zusammen32), und kommt dabei auf eine gewisse Anzahl von Vorsichtsmaßregeln, welche außer den gewöhnlichen beim Betriebe der Dampfmaschinen anzuwenden seyen, namentlich um entweder eine plötzliche Dampfentwickelung, die von der Verzögerung des Siedens des Kesselwassers herrühren könnte, zu verhüten, oder dieselbe wenigstens unschädlich zu machen. Außer diesen und noch anderen Vorsichtsmaßregeln hält er es aber vor Allem für nöthig, stets den Unterschied der Wasser- und Dampftemperatur der Controle zu unterwerfen, und als Sicherheitsapparat jedem Dampfkessel zwei Thermometer beizugeben, von denen das eine die Temperatur des Wassers, das andere die Temperatur der vom Feuer umspühlten Kesselwand anzugeben befähigt ist. Zur Aufnahme und zum Schutze des Thermometers wird letzteres in eine schmiedeeiserne Röhre eingeführt, die in den Kessel eingesetzt werden soll (und natürlich Wasser- und dampfdicht die obere Kesselwand, sowie den ganzen Wasserraum passiren und mit dem Boden in fester und ganz dichter Verbindung stehen müßte). Bei stationären Maschinen sey die Anordnung wie in Fig. 19 ausreichend, wobei der nach außen gehende Theil C, D der schmiedeeisernen Röhre D, A mit einer schlitzartigen Oeffnung zu versehen sey, um die Scale des Thermometers ablesen zu können, während man bei Locomotiven sowohl die Röhre A, B, C, D (Fig. 20), als auch die Thermometerröhre krümmen könnte, um den Schenkel der letzteren, an welchem die Aenderungen der Quecksilbersäule abzulesen sind, dem Locomotivführer leicht zugänglich zu machen. Das Thermometer soll dabei mit großer Kugel versehen werden, damit die Temperaturänderungen, welche der Quecksilberfaden auf seinem Wege erfährt, keinen wesentlichen Einfluß auf den Thermometerstand ausüben können, und dieser nur die herrschende Wassertemperatur anzeige; ferner sey es zweckmäßig, die Temperaturscale außer Rücksicht zu lassen und dafür für jede Maschine, nachdem das ungraduirte Thermometer eingesetzt ist, die Graduirung der Druckscale unter Beobachtung des Manometers vorzunehmen. Das sogen. Wandthermometer, welches die Gefahr der plötzlichen Verdampfung durch glühende Kesselwände zu signalisiren habe, sey wie E, F, B, C, D in Fig. 21 mit einem cylindrischen Gefäße E, F zu versehen und so anzuordnen, daß es unmittelbar den vom Feuer umspühlen Stellen, wenn diese etwa vom Wasser bloß gelegt seyen, ausgesetzt sey. Man habe dabei, da dieses einen höheren Stand als das Wasserthermometer anzeige, den zulässigen höchsten Stand desselben bei jeder Maschine und für den höchsten noch zulässigen Dampfdruck zu ermitteln, die Scale aber auch für niedrige Spannungen durch Vergleichung mit den Angaben des Wasserthermometers zu graduiren, so daß beide gleichen Druck anzeigen, wenn die Kesselwand E, F mit Wasser benetzt ist. Das Steigen der Quecksilbersäule in diesem Wandthermometer über einen gewissen Punkt könne übrigens auch benutzt werden, um ein Lärmsignal in Thätigkeit zu versetzen, was wohl sicherer wirke, als die Black'schen Pfropfen. Der Punkt der höchsten Temperatur, den die Kesselwand durchaus nicht überschreiten soll, könne an dem Wandthermometer dadurch angegeben werden, „daß man das schmiedeeiserne Rohr A, B, C, D mit dem Thermometer E, F, B, C, D vor der Anbringung im Kessel auf der Strecke E, F in einem einzigen Punkte bis zu demjenigen Grade erhitzt, welchen man als das Maximum der statthaften Temperatur der Kesselwand ansieht.“ In Fig. 22 sieht man endlich die Combination eines Wasser- mit dem Wandthermometer schematisch dargestellt, wobei, für den Fall, daß die Thermometerröhre eine ungewöhnliche Länge haben müßte, um für sehr hohe Temperaturen benutzt werden zu können, der obere Theil als zweifach gekrümmt angenommen werde. Der Vorsicht halber soll jedes der beiden Thermometer an seinem oberen Ende in eine „Sammelkugel“ ausgehen, „damit bei unverhofftem Ueberschreiten der höchsten Temperatur das Quecksilber nicht den Apparat verlassen kann.“ Die Benutzung des eben gedachten Sicherheitsapparates soll darin bestehen, daß das Feuer ermäßigt, der Dampfdruck durch Abschließen oder Verengung des Regulators bei einer in Bewegung befindlichen Maschine erhöht, also die Maschine zum Stillstehen gebracht und selbst das Feuer ausgerissen, auch Wasser nachgepumpt werde, wenn das Wasserthermometer einen höheren Druck als das Manometer zeigt. Zeige aber das Wandthermometer eine zu stark erhitzte Wandfläche an, so sey allerdings auch das Feuer zu dämpfen; hierbei dürfte auch dann das Ablassen von Wasser nützlich seyn.33)

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