Ueber die Verwendung der Elektricität in der
Metallurgie; von Ferd. Fischer.Mit Abbildungen.Ferd. Fischer, über Verwendung der Elektricität in der
Metallurgie.Die vortheilhafte Verwendung der Thermo-Elektricität zur Bestimmung von Metallen1)Vgl. Luckow (1865 177231. 296. 178 42. 1881 239303). Ferner Beilstein (1879 232283). Clarke
(1878 229396). Classen (1881 242440). Fresenius (1881 239308). Herpin (1875 215 * 440). Justum (1881 242439). Mackintosh (1882 244171). Millot (1881 239379). Ohl (1881
239378). Parodi
(1877 226112). Richards (1881 239310). Riche (1882 243248). Schweder (1877 22565). Wrightson (1877 22567). legt den Gedanken nahe,
dieselbe auch für andere Zwecke zu verwenden.R. Bunsen2)Annalen der Chemie, 1852 Bd. 82 * S. 137;
vgl. 1853 128154. stellte
das Magnesium zuerst elektrolytisch aus Chlormagnesium mittels seiner Kohlenzink –
Elemente her. Als Zersetzungszelle diente ein etwa 9cm hoher, 5cm weiter Porzellantiegel,
welcher durch eine bis zur halben Tiefe hinabreichende Scheidewand in 2 Hälften
getheilt war. Durch den Deckel gingen die beiden Kohlenpole der Batterie; die
sägeförmigen Einschnitte des negativen Poles dienten dazu, das ausgeschiedene Metall
unter dem schmelzenden Salze zu halten, da es sonst an die Oberfläche steigt und
hier theilweise verbrennt.Ed. Sonstadt (1863 170 * 115.
1864 174439) empfahl zur Herstellung von Magnesium
mittels Natrium bereits das Doppelsalz KMgCl3 und
zur Reinigung des erhaltenen Metalles in ähnlicher Weise wie Deville (1863 169444) die Destillation im
Wasserstoffstrom (vgl. 1867 186 * 307). E. Reichardt (1865 176141.
1868 18874) empfahl zu gleichem Zweck den Carnallit; von
anderer Seite wurde Tachhydrit vorgeschlagen (vgl. 1863 169442).Zur elektrolytischen Herstellung des Magnesiums ist Carnallit besonders geeignet. Die
Wiedervereinigung des ausgeschiedenen Magnesiums mit dem ebenfalls frei gewordenen
Chlor oder dem atmosphärischen Sauerstoff läſst sich einfach durch Ueberleiten von
reducirenden oder indifferenten Gasen, z.B. Generatorgas, welches mittels Kalk
getrocknet und von Kohlensäure befreit ist, mit trockenem Stickstoff3)Diesen würde
man wohl anwenden müssen, wenn man das Chlor wiedergewinnen
wollte. oder Wasserstoff vermeiden. Soll die Zersetzung des
geschmolzenen Kaliummagnesiumchlorides mittels Elektricität in einem Tiegel
erfolgen, so führt man den als negativen Pol dienenden dicken Kohlenstab durch den
Boden ein, während der als positiver Pol dienende Kohlenstab von oben durch den
Deckel eingeführt wird; gleichzeitig wird eines der genannten Gase eingeleitet, um
Chlor abzuführen und Sauerstoff abzuhalten.
[Fig. 1., Bd. 246, S. 28]
[Fig. 2., Bd. 246, S. 28]
Hat man eine kräftige Elektricitätsquelle zur Verfügung4)Ich habe bis
jetzt nur Versuche mit einer Bunsen'schen Taucherbatterie und einer
Thermosäule ausführen können., so würden längliche Gefäſse aus
Graphit oder Magnesia vorzuziehen sein, welche an beiden Längsseiten die positiven
Kohlenplatten a (Figur
1), in der Mitte die negative e (oder umgekehrt)
enthalten. Das reducirende oder indifferente Gas wird bei c eingeführt, das Gasgemisch entweicht theils durch die Fugen zwischen Tiegel
und Deckel v, theils durch ein Rohr am
entgegengesetzten Ende der Zelle. Selbstverständlich könnte dasselbe Gas wiederholt
verwendet werden, wenn man es zuvor mittels Kalk trocknet und entsäuert. Es ist
besonders vortheilhaft eine Anzahl solcher Zellen hinter einander zu schalten (vgl.
1878 227210). Leitet man das Gas in das geschmolzene
Gemisch, so wird man in Folge der Bewegung des Salzes erheblich gröſsere
Zersetzungszellen anwenden können.Ein ununterbrochener Betrieb läſst sich voraussichtlich dadurch erreichen, daſs man
das geschmolzene Doppelsalz langsam durch Porzellanrohre flieſsen läſst, welche
hinter einander geschaltet in einem gemeinschaftlichen Ofen liegen. Die Elektroden
werden durch halbrunde Kohlenplatten a (Fig. 2) gebildet, zwischen denen das Salz n dem Gasstrom s
entgegengeht. Das in eine Vorlage abflieſsende Salzgemisch läſst man in einer
neutralen oder reducirenden Atmosphäre erkalten und trennt das in Kugeln
ausgeschiedene Magnesium von dem je nach der Führung des Prozesses mehr oder weniger
reinen Chlorkalium; letzteres dürfte beim Groſsbetrieb die Kosten für den
aufgewendeten Carnallit zum gröſsten Theile decken.Nach den Versuchen von Roscoe (1864 173237. 1865 175480) geben
72g Magnesium so viel Licht als 10k Stearinkerzen. Nach Frankland ( Wagner's Jahresbericht, 1866
Seite 3) ist das Magnesiumlicht zwar noch erheblich theurer als Stearin und
Leuchtgas. Berücksichtigt man aber, daſs Magnesium augenblicklich noch 360 M.
kostet, während es sich mittels Elektricität wird für etwa 1/20 dieses
Preises herstellen lassen, so dürfte Magnesiumlicht5)Magnesiumlampen
wurden angegeben von Grant (1865 175481. 177 * 128),
Solomon (1865 178 * 288), Hart (1865 178 * 290), Larkin
(1866 182202) u.a. (1865 176 * 198. 408. 1867 183 *
469). doch sehr vortheilhaft werden können.In entsprechender Weise werden auch Natrium (vgl. 1854 133275), Kalium, Lithium6)Vgl. Otto: Anorganische Chemie, (Braunschweig 1863)
Bd. 2 * S. 383., Calcium und andere Metalle hergestellt (vgl.
1877 223651).Besonders wichtig dürfte die Herstellung von Aluminium werden, welches R. Bunsen (1854 133273)
durch Elektrolyse des bei 200° schmelzenden Doppelsalzes Chloraluminiumnatrium
erhielt. Die praktische Schwierigkeit der Trennung des ausgeschiedenen Aluminiums
von dem Salzgemisch ist durch passende Temperaturregelung u. dgl. zu überwinden. Zu
berücksichtigen ist ferner, daſs wo möglich Gefäſse von Kalk oder Magnesia zu
verwenden sind, da Aluminium aus Thongefäſsen Silicium aufnimmt und brüchig
wird.Das zur Herstellung von 1k Aluminium erforderliche
Doppelchlorid kostet nach Würz (1877 223324) noch etwa 20 M. Es wäre daher zu versuchen, nach
dem Vorschlage von Berthaut (Wagner's Jahresbericht,
1881 S. 70) die
erforderliche Menge desselben dadurch zu vermindern, daſs man eine aus Thonerde und
Kohle gepreſste Platte als Anode anwendet, und dürfte es sich in diesem Falle
empfehlen, den Zuleitungsdraht z (Fig. 2) der ganzen Länge nach durch die Anode zu
führen, um den Leitungswiderstand möglichst zu verringern. Auch der bereits in
anderer Weise von H. Rose (1855 137363), Deville (1856 139204) und F. Wöhler (1856 141447) verwendete Kryolith wäre zu versuchen, wenn
seine Verwendung der schwierigeren Schmelzbarkeit wegen auch weniger bequem ist.Nach Würz kostet die Herstellung von 1k Aluminium mittels Natrium 65 M., während es zu
etwa 90 bis 160 M. (vgl. 1878 230162) in den Handel
kommt.7)Bei E. de Haën in Hannover kostet 1k Aluminium in Barren 125 M.
Wenn das Metall aber trotz des hohen Preises bereits vielfach zu Wagebalken (vgl.
1878 229263), Schmucksachen (Wagner's Jahresbericht, 1881 S. 130),
physikalischen Apparaten, Löffeln u. dgl. verwendet wird (vgl. 1877 22670. 1878 230159), so
würde der Verbrauch desselben ohne Frage eine sehr groſse Ausdehnung erreichen,
sobald dasselbe zu einem erheblich billigeren Preise geliefert würde. Durch
Verwendung chemischer Reductionsmittel scheint hierzu wenig Aussicht vorhanden zu
sein; wohl aber dürfte diese Frage durch Anwendung der Elektricität, namentlich der
Thermo-Elektricität gelöst werden.Auf die Mittheilungen von Becquerel (1854 133213. 1869 192471),
welcher bereits i. J. 1835 die Zugutemachung der Blei-, Silber- und Kupfererze
mittels Elektricität empfohlen hat, E. Andre (1879 233381) über die elektrolytische Verarbeitung von
Kobalt- und Nickelerzen, von Keith (1876 229534. 230 75. 328), dessen
Prozeſs nach Hampe (1882 245515) zwar noch praktische Schwierigkeiten entgegenstehen, von Siemens und Halske (1881 240
* 38) über die Herstellung von Kupfer, von Luckow (1881
242390) und Létrange
(1882 245 * 455) über die Abscheidung von Zink möge nur
verwiesen werden.