Titel: | Maschine zum Ueberziehen von Zeugen, von Sorel in Paris. |
Fundstelle: | Band 176, Jahrgang 1865, Nr. CV., S. 347 |
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CV.
Maschine zum Ueberziehen von Zeugen, von
Sorel in
Paris.
Aus der deutschen Industriezeitung, 1865, Nr.
18.
Mit Abbildungen auf Tab.
V.
Sorel's Maschine zum Ueberziehen von Zeugen.
Sorel's Maschine, mit welcher
Zeuge einen regelmäßigen Ueberzug von beliebiger Art erhalten können, namentlich um
wasserdicht gemacht zu werden, gründet sich wesentlich auf die Anwendung eines
Streifens von vulcanisirtem Kautschuk oder einer ähnlichen Masse, die eine hohe
Temperatur aushalten kann. Der Zeug geht zwischen dem Kautschukstreifen und einem
hohlen, mit Dampf geheizten Metallcylinder durch, der sich um seine Achse dreht. Der
Kautschukstreifen liegt in einer Furche längs eines hohlen, mit Dampf geheizten
Metallstückes, das parallel über dem Cylinder liegt und in dessen Nähe man das
Ueberzugsmaterial bringt, damit es durch die Wärme erweicht wird. Beim Vorüberführen
nimmt der Zeug die Ueberzugsmasse auf, von der der Kautschukstreifen nur eben so
viel vorbei läßt, als nöthig ist. Soll auf dem Ueberzuge des Zeuges noch ein zweiter
Stoff befestigt werden, so legt man diesen in dem Augenblicke auf, wo der überzogene
Zeug den Kautschukstreifen verlassen hat. Mittelst dieser Maschine kann man kalte
oder warme Ueberzüge auf die Zeuge aufbringen; Kautschuklösung oder ein Gemisch von
Kautschuk mit anderen Stoffen, namentlich Gutta-percha, oder harzigen oder fettigen
Stoffen oder Mineralpulvern etc., überhaupt alle Ueberzüge, die für Zeuge verwendet
werden.
Fig. 13 zeigt
einen Grundriß derselben, Fig. 14 einen verticalen
Durchschnitt nach der Linie 1–2 von Fig. 13. In dem Gestelle
B, B liegt der durch Dampf erhitzte Hohlcylinder C, auf den sich der Zeug in dem Augenblicke auflegt, wo
er den Ueberzug erhält. Direct darüber liegt das hohle Stück D, das ebenfalls über die ganze Gestelllänge geht und das in seinem
untersten Theile auf seine ganze Länge mit einer Furche zur Aufnahme des um einige
Millimeter hervorragenden Kautschukstreifens versehen ist. Das Stück D ist um seine Achse beweglich und kann durch den Hebel
d halb herumgedreht werden, so daß eine
Auswechselung des Kautschukstreifens und Reinigung des Cylinders C ermöglicht wird. Wie dem Cylinder M wird ihm der Dampf aus dem Kessel durch die Röhre S zugeführt, von wo er ihn durch die Kammer E und die Röhren b erhält.
Diese Kammer E ist gekrümmt und bildet einen nach dem
Untertheile des Stückes D gerichteten Schnabel; so wird
eine Art Trichter a gebildet, der von beiden Seiten
erhitzt wird und die Ueberzugsmasse aufnimmt. Der Zeug ist auf den hölzernen Zeugbaum H aufgewickelt, der an beiden Enden mit Lederriemen
versehen ist, welche Gegengewichte f zur Regulirung der
Zeugspannung tragen. Der Zeug geht über den Breithalter I, welcher, um denselben gespannt zu halten, mit schiefen und
divergirenden Einschnitten versehen ist, nach der geheizten Walze C, von da, nachdem er den Ueberzug erhalten hat, nach
einem zweiten, dem ersten ganz ähnlichen Breithalter J,
der durch eine Schraube nach Bedürfniß höher oder niedriger gestellt werden kann,
und dann nach dem hohlen Metallcylinder M, in den
ebenfalls Dampf eingeführt wird. Hier wird der Zeug zugleich mit dem, der darüber
gelegt werden soll und sich von dem Zeugbaume L über den
Breithalter K abwickelt, erwärmt; beide vereinigen sich
unter der Walze M, gehen zur Vervollständigung der
Vereinigung über die glatten Holzwalzen N und O, und werden dann über eine Art beweglichen Tisch mit
variabler Spannung gezogen. Zu diesem Zwecke sind zwei Federwaagen X (Fig. 15) an Lederriemen
angehakt, die einerseits mit einer Gelenkgabel, die den doublirten Stoff hält, und
anderseits mit Haken verbunden sind, welche in die Glieder der zwei endlosen Ketten
T eingreifen. Die Federwaagen messen die auf den
Zeug während dessen Durchgang unter D ausgeübte
Zugkraft, so daß man die Spannung je nach Bedürfniß reguliren kann. Man verändert
dazu das Gegengewicht m des Hebels Z, der durch die Scheibe l
auf den Riemen k wirkt; letzterer geht unter den
Scheiben Y und Y' weg, von
denen Y' auf der Achse der Kettenräder U festsitzt. Die Ketten T,
die in diese an den Enden einer und derselben Achse sitzenden Räder eingreifen, sind
über Scheiben geführt, die ziemlich weit von der Maschine entfernt sind. So bleibt
der nöthige Raum für eine lange hohle Metalltafel, die mit Dampf geheizt und auf
welcher der Zeug getrocknet wird. Die beiden Räder U
haben einen etwas geringern Durchmesser als der Cylinder C, so daß der Zeug etwas langsamer vorschreitet als die Oberfläche des
Cylinders bei dessen rotirender Bewegung. Für Zeuge, auf welche kein zweiter
aufgelegt wird, werden die Walzen L, M, N und O entbehrlich, und wenn man auf dem Ueberzuge derselben
pulverförmige Massen befestigen will, so wendet man den Trichter P (Fig. 14) mit Siebboden
an, der durch das Sternrad Q stoßweise hin- und
herbewegt wird; das Pulver wird dann durch die Bürste R
regelmäßig ausgebreitet. Die Walze C und die Räder U werden durch die Handkurbel B' bewegt, die auf gleicher Welle mit dem Zahnrad C' sitzt. Letzteres greift in das Rad D' auf
der Achse der Räder U ein und von dieser aus wird
mittelst der Scheibe Y', des Riemens k und der Scheibe Y der
Cylinder C getrieben. Ist der zu überziehende Zeug
hinreichend stark, so kann der Riemen k weggelassen werden,
da dann der Cylinder durch die Bewegung des Zeuges mit in Umdrehung versetzt wird.
Der Zeug, welcher mit der Scherwolle etc. überzogen wird, wird am besten etwas auf-
und niedergeschüttelt, wozu das Flügelpaar n und das
Gleitstück o (Fig. 14) dient, welches
nach oben mit Schnüren verbunden ist, die horizontal unter dem Zeuge aufgespannt
sind. Wird das Gleitstück von dem Flügelrade herabgezogen, so werden die Schnüre
gespannt, und wenn das Gleitstück losgelassen wird, schlagen dieselben gegen den
Zeug, so daß die Scherwolle, Haare etc. emporspringen und senkrecht auf den Ueberzug
auffallen. Es sind zwei solche Vorrichtungen zu beiden Seiten des Rades vorhanden,
die abwechselnd in Thätigkeit treten.
Das Verfahren bei der Arbeit ist nun folgendes: Soll ein Zeug einfach einen Ueberzug
erhalten, so wird, wenn die Ueberzugsmasse erwärmt werden muß, in das Stück D und die Walze C Dampf
eingeführt, der Zeug auf den Zeugbaum H aufgewickelt und
das freie Ende desselben in die Gabel i eingeklemmt, die
Ueberzugsmasse in den Trichter a gebracht und das
Räderwerk durch die Kurbel B' in Bewegung gesetzt.
Dadurch werden die Ketten T bewegt, in welche die die
Gabel i haltenden Riemen eingehakt sind, und der Zeug
unter dem Kautschukstreifen, der in D eingepaßt ist,
weggezogen. Will man einen glatten gleichmäßigen Ueberzug erhalten, so bringt man in
den Trichter P gepulverte Mennige, Talk, thonige oder
andere absorbirende Substanzen, die man mit Kienruß oder anderen Stoffen färbt. Beim
Durchgehen des Zeuges unter der Bürste R wird die
Schicht regulirt und der Ueberschuß entfernt; nachher kehrt ein Arbeiter das noch
übrige Pulver mit einer langhaarigen Bürste ab und ein anderer firnißt den Zeug, der
dann auf dem oben beschriebenen, mit Dampf erwärmten Tische getrocknet wird.
Arbeitet man nicht mit solchem Pulver, so wird der Mechanismus n, o abgestellt. Wendet man dagegen Scherwolle etc. an,
so entfernt man die Bürste R und läßt das Firnissen weg,
überstreut aber den Zeug auf dem Tische durch einen Trichter nochmals mit derselben
Masse, die bei P aufgestreut worden ist. Durch Anwendung
verschiedenfarbiger Scherwollen und Pulver kann man Muster auf dem Zeuge anbringen,
indem man auf denselben durchbrochene angefeuchtete Platten von Metall, Leder etc.
auflegt, das Pulver etc. aufstreut, dann die Platten entfernt und andersfarbige
Pulver etc. aufstreut. Die Federwaagen X kann man für
gewöhnlich weglassen und den Zeug direct durch die mit der Gabel i verbundenen Lederriemen anziehen; wendet man aber die
Federwaagen an, so müssen diese zeitig genug entfernt werden, daß sie nicht mit über
die Scheiben der endlosen Ketten gehen. Soll auf den überzogenen Zeug ein zweiter aufgelegt werden, so
wird letzterer auf die Walze L aufgewickelt, von welcher
er über den Breithalter K nach dem erwärmten Cylinder
M geht, wo er sich mit dem erstern vereinigt, und
geht dann über die Walzen N und O nach dem Tische, der meist nicht erwärmt zu werden braucht. Will man
Papier überziehen, so legt man dasselbe auf Leinwand auf und läßt es mit dieser
unter D weggehen.
Mit der Maschine kann man auch undurchdringliche Stoffe für Kleider, Wagendecken,
Zelte etc., sowie durch Bedecken des Ueberzuges mit Scherwolle veloutirte Stoffe zum
Ersatz von Tuch, Sammet in manchen Fällen auch von Leder etc. herstellen.